Autor: Martin Kohler

 

3D IM MUSEUM

Berlin Alexanderplatz um 1900

Als Stereoskopiker bin ich fasziniert von der Ästhetik dreidimensionaler Aufnahmen und wünschen mir, noch mehr Menschen würden diese Faszination teilen. Ich versuche, eindrucksvolle Stereofotos zu machen und freuen mich, wenn andere sich für diese interessieren. Ein weiterer Bereich, der jedoch oft übersehen wird, ist die historische Information, welche Stereoaufnahmen vermitteln können. Sie stellen oft auf einzigartige Weise Leben, Landschaft, Städte, Bauwerke, Technik und vieles mehr dar. Insbesondere Museen sind der Ort, wo der Bevölkerung heute solche geschichtlichen Rückblicke und technische Errungenschaften der Menschheit gezeigt werden. Da ich hier bereits etwas Erfahrung sammeln konnte, möchte ich dieses Thema: "3D IM MUSEUM" aufgreifen.
Eine Pionierstellung nimmt sicherlich das "Museum 3. Dimension" in Dinkelsbühl und "Explora" in Frankfurt ein und ein Besuch kann ich Ihnen nur empfehlen.

Vorbemerkung zu Museumsausstellungen

Im Gegensatz zum normalen Bild ist das Stereobild nicht nur Abbild, sonder Raumbild. Der Betrachter erfaßt das gezeigte Objekt dreidimensional oder ihm wird evtl. sogar das Gefühl vermittelt, selbst in einem Raum zu stehen und einzelne Gegenstände fast greifen zu können. Er hat den Eindruck, die Dinge real zu sehen und es werden oft Details deutlich, die sonst in der Masse der Bildinformationen untergehen. Nur sehr wenige Museumsmitarbeiter kennen Stereoaufnahmen. Wenn ihnen solche gezeigt werden und sie die damit verbundenen Möglichkeiten erkennen, sind sie oft auch bereit dreidimensionale Bilder selbst zu verwenden.
Für ein Museum ist es gerade in unserer multimedialen Welt wichtig, die Exponate auf verschiedene Weise darzustellen. Dem Besucher sollen Ein- oder Ausblicke gewährt und neue Sichtweisen ermöglicht werden. Er soll einen eigenen Standpunkt in einem bestimmten Themenbereich und gegenüber einzelnen Objekten finden. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Stereobilder zu präsentieren. Im Dialog und einer konstruktiver Zusammenarbeit kann man dann gute Lösungen finden, wo nichts separat oder aufgesetzt wirkt, sondern ein 3D-Beitrag sich in die Gesamtausstellung integriert. Als letzter Punkt muß eine Installation "museumstauglich", d.h. für Dauerbetrieb du größere Menschenmassen geeignet sein.

Nach dem Sieg im 2. Weltkrieg wurde von den Amerikanern unter dem Eifelturm in Paris eine Siegerausstellung durchgeführt. Hier laden deutsche Kriegsgefangene gerade Bomben von einem LKW ab.

Projektion mit Polarisationsfilter

Viele Menschen fällt zum Thema Präsentation von Stereobildern gleich die 3D-Kinos (IMAX) ein. Hier werden beide Bilder durch Polarisationsfilder an eine speziell beschichtete Wans projeziert und der Betrachter schaut diese durch eine Polarisationsbrille an. Dadurch sieht er mit dem linken Auge nur das linke, und mit dem rechten Auge nur das rechte Bild.
1999 war die Sonderausstellung über den Bau der Zeppelin-Luftschiffe: "Zirkel, Zangen und Cellon" im Zeppelinmuseum . Ich bekam die Anfrage, ob es nicht möglich wäre, hier etwas mit 3D-Bildern zu machen. Um dem Besucher einen Eindruck von der Größe dieser Luftschiffe zu geben und Ihnen gleichzeitig auch die technischen Details zeigen zu können, entschieden wir uns für ein "3D-Kino" auf eine 3 x 4 m Leinwand mit Polarisationsfilter-Projektion. Es war beeindruckend. Man meinte fast, selber in der Luftschiffhalle zu stehen. Details der Konstruktion waren klar erkennbar, die im zweidimensionalen Bild im Gewirr der Drähte und Streben untergehen. Einzelne Teile kamen optisch dem Besucher bis fast auf Reichweite entgegen. Da die Leinwand fest installiert war, konnten wir eine beschichtete Spanplatte benützen, welche mit Eckard-Silber besprüht wurde (siehe G. Kuhn: "Ste-reofotografie und Raumbildprojektion, 1. Ausg. S. 114). Das Problem war eher der Projektor. Über Monate 6 Tage die Woche und 8 Stunden am Tag Dauerbetrieb ist etwas anderes, wie ein zweistündiger Diaabend daheim. Da kann es schon einmal vorkommen, daß das Magazin klemmt. Daheim gibt man ihm einen kleinen Schubs und es geht wieder. Im Museumsbetrieb jedoch fing das Ganze zu rattern an und es dauert einige Zeit, bis jemand vom Aufsichtspersonal auf die Idee kam, man könnte den Projektor ausschalten. Da hatte der Projektor aber schon so lange gerattert, daß der Magazintransport neu justiert werden mußte. Aus diesem Grund ist es bei technischen Installationen unumgänglich, jemand vor Ort zu haben, der sich mit dem Gerät auskennt oder eingewiesen wurde, damit Schwierigkeiten möglichst schnell behoben werden können. Auch eine Rückprojektion kann evtl. in Betracht gezogen werden.

Wenn ein Museum bereit ist, Raum und Geld zu investieren, ist eine 3D-Tonbildschau immer zu empfehlen! Sollte jemand hier Unterstützung benötigen, kann er sich an Hermann oder Franz Miller in Leutkirch wenden. Sie sind in diesem Bereich Spezialisten

Oft jedoch sind es jedoch nur einzelne Aufnahmen, die gezeigt werden sollen, ein 3D Kino ist zu groß oder paßt gar nicht in das Konzept einer Ausstellung. So fehlt auch bei der jetzigen Ausstellung leider der Platz, für ein 3D-Kino. Es gibt aber zum Glück noch weiter Möglichkeiten.

Stereo-Betrachter im Museumsbetrieb

Hier denken manche abwertend an "Guckies", aber es ist eigentlich die klassische Betrachtungsweise für Stereobilder. Vom psychologischen Aspekt betritt man bei einem 3D-Kino einen Raum. Hier schaut der Besucher in ein Gerät hinein und entdeckt Dinge, die von Außen nicht sichtbar waren oder zwei langweilige Bilder werden plötzlich zu einer interessanten, realen Darstellung. Klassiker in diesem Bereich ist sicherlich das Kaiserpanorama. Die Aufnahmequalität und Motivvielfalt war überragend. Leider sind sehr viele Aufnahmen und Betrachtungsapparate des Unternehmens verloren gegangen. Es gibt nur noch wenige Orte, wo sich die Besucher eines Museums durch ein solches um 100 Jahre zurückversetzen lassen können ( z.B. Kinomuseum Vollbüttel bei Gifhorn, Märkisches Museum Berlin, Stadtmuseum München, Wels in Österreich). Für die Ausstellung "Zeppelin im Raumbild" habe ich ein verkleinertes Kaiserpanorama mit 6 Sitzplätzen nachgebaut. Passend zur historischen Zeit, in der es diese Kaiserpanoramen gab, werden hier Aufnahmen der ersten Luftschiffe vor dem I. Weltkrieg gezeigt.
Es besteht jedoch die Möglichkeit, vom Förderverein für Kaiser-Panoramen e.V., Celle (www.kaiser-panorama.de) oder bei Herrn Senf, Berlin (Tel. 030/4013543) sich ein Kaiserpanorama mit Bildserie leihweise in seinem Museum aufbauen zu lassen. Dies ist mit gewissen Kosten verbunden, aber sicherlich ein einmaliger Besuchermagnet.
Auch andere historische Betrachter können benutzt werden. So stellte das "Haus der Geschichte Baden Württemberg" als Objekt für die aktuelle Ausstellung "Mit 100 Sachen durch die Landesgeschichte" die beiden Rundlauf-Stereobetrachter der Erfinderin des Vogelschutzes Lina Hähnle aus, mit denen sie damals durch die Lande zog, um den Menschen die Schönheit der Vogelwelt zu zeigen. Hugo de Wijs aus Holland bietet einen sehr guten, museumstauglichen 3D-Serienbetrachter an. Auch andere Anbieter haben interessante Geräte im Programm (z.B. Ekeren 3D Equipment, ...). Franco Gengotti/Italien konstruierte speziell für Ausstellungen, Tafeln mit Guckies, die an flexiblen Spiralfedern an der Decke oder an einem Gestell befestigt sind. In der gleichen Technik kann der Besucher meiner Sonderausstellung Aufnahmen vom LZ 127 "Graf Zeppelin" in fliegenden Luftschiffen anschauen, die von der Decke hängen. Eine Wand oder ein Ausstellungsobjekt kann "Ein-Blicke" (mit Stereobetrachtern) bieten, um dem Besucher ganz neue Zusammenhänge erschließen. Hier werde ich für den Museumsgast ein Stück Wand einer Luftschiffhalle nachbauen, und er kann hineinschauen und räumlich sehen, wie das Luftschiff LZ 126 "Los Angeles" gebaut wurde. Ähnlich wie Guckies lassen sich Betrachtungsapparate einsetzen, bei denen über einen oder mehrere Spiegel der Strahlungsverlauf so abgelenkt wird, daß sich auch größere Vorlagen betrachten lassen. Da man von oben hineinschaut, habe ich solche zur Präsentation von Luftbildern ausgewählt.

Aufnahmen aus der Serie
"Historische Bauten Deutschlands vor und nach der Zerstörung"

Nürnberg. Spätgotisches Giebelhaus am Eingang der Tuchergasse
Nürnberg. Blick in die Tuchergasse
Frühjahr 1945
Frankfurt am Main. Altstattwinkel mit Eingang zur Saalgasse
Frankfurt am Main.
Die zerstörte Saalgasse

Anaglyphen bieten viele Möglichkeiten

Dadurch, daß nur mit einem Bild gearbeitet wird, ist die Handhabung von Anaglyphenbildern relativ unkompliziert. Allerdings müssen entsprechende Brillen ausgelegt oder an den erforderlichen Stellen angebracht sein. Historische Aufnahmen sind meistens Schwarz/Weiß, so daß der Wegfall der Farbinformationen keine Rolle spielt. Die Aufnahmen vom Bau des Luftschiffs "Hindenburg" werde ich in dieser Art präsentieren.
Ich habe die Erfahrung gemacht, daß eine manuelle Umarbeitung mit einem Bildbearbeitungsprogramm (z.B. Adobe Photo-shop) zu besseren Ergebnissen führt, wie fertige Computerprogramme. Zum einen haben alte Bilder oft Fusel oder Flecken und darum sollten die einzelnen Teilbilder vorher retuschiert werden. Als weiteres ist es nach der Umwandlung in ein Anaglyphenbild möglich, den Kon-trast zu verändern und eine selektive Farbkorrektur durchzuführen. Die Bilder können ausgedruckt werden, wobei sehr imposante Vergrößerungen möglich sind. Es ist auch möglich, diese auf Dias auszubelichten und damit eine Diashow zu realisieren.
Vorteil gegenüber einer Projektion mit Polarisationsfiltern ist die leichtere Handhabung (nur 1 Projektor/Bild, wobei sich hier Carousel-Projektoren anbieten) und es bedarf auch keiner speziellen Silbertuchleinwand. Nachteil ist der größere Lichtverlust durch die Farbe und daß sich die Labors beim Ausbelichten sehr schwer tun, den genauen Farbton der Originaldatei auf dem Dia wiederzugeben. Das kann zu "Geisterbildern" führen, d.h. der Betrachter sieht dann zwei statt ein Bild. Anstatt mit Dias, kann eine Präsentation auch direkt vom PC über einen Beamer projiziert werden.

Eine weitere Möglichkeit stellt die interaktive Computerpräsentation dar. Diese dürfen Sie hier selber auf der Homepage erleben. Sie können selbst auswählen, welche Themen und Bilder Sie interessieren und die Aufnahmen mit einer Anaglyphenbrille dreidimensional anschauen.
Im Museumsbetrieb bieten Anaglyphen den weiteren Vorteil, daß parallel zur Ausstellung auch Druckerzeugnisse (Broschüren, Bücher, Postkarten, Plakate, ...) angeboten werden können. Da Anaglyphenbilder jedoch normalerweise im RGB-Modus hergestellt werden, Druckerzeugnisse aber meist im 4-Farbendruck (CMYK), müssen die Farbveränderungen vor einem entgültigen Druck genau kontrolliert werden. Empfehlenswert sind zweifarbige Drucke mit speziell abgestimm-ten Farben, wie sie z.B. Herr Gengotti anbietet.

Weitere Möglichkeiten der Präsentation Anstatt mit Anaglyphen, besteht die Möglichkeit bei einer interaktiven PC-Präsentation mit einer Shutterbrille zu arbeiten. Es lassen sich dadurch auch farbige Bilder darstellen. Meine Stereoaufnahmen vom Zeppelin-NT möchte ich auf diese Art zeigen. Zum einen sind es farbige Bilder und zum zweiten wir hier ein "moderner" Zeppelin präsentiert, warum ich auch ein Medium der heutigen Zeit verwenden möchte.

Eigentlich hervorragend für Museen sind Linsenrasterbilder, da man keine Zusatzgeräte braucht oder Brillen ausgelegt werden müssen. Der Nachteil ist jedoch, daß man mindestens 3, besser jedoch 4-6 Aufnahmen für die Herstellung solcher Bilder benötigt, bei historischen Aufnahmen aber normalerweise nur ein Stereobild als Grundlage hat. Somit schied diese Möglichkeit bei unserer Ausstellung aus.

3D auf Messen

Obige Darstellung gilt in großem Umfang auch für die Präsentation von 3D-Aufnahmen auf Messen. Dies ist ein Bereich, wo eigentlich "Hingucker" gefragt sind und die Möglichkeiten der Stereofotografie meiner Ansicht nach noch viel zu wenig eingesetzt werden. Hier möchte ich aus unserer Vereinszeitschrift "Der Stereoskopiker" vom 15. Dez. 1933 zur Ausstellung: "Die Kamera" am Kaiserdamm in Berlin zitieren: "Den Werbefachmann interessierten eine ganze Reihe verschiedener für Propagandazwecke gefertigte Betrachter (Stereo) und Bilderpackungen, unter ihnen mehrere vom Luftschiffbau Zeppelin und das neueste Z-A (Zeiss-Aerotopograph)-Stereoskop. Sehr eindrucksvoll auch das als Großanaglyphe von der Plastikolor G.m.b.H in Hamburg hergestellte körperliche Bild einer Druckereimaschine!" Und heute haben wir sogar noch viel mehr Möglichkeiten.....

Wie kommen wir an historische Stereoaufnahmen

Sicherlich hat der eine oder andere auf einem Flohmarkt schon einmal ein paar alte Stereokarten erstanden. Aber selten wird man das Glück haben, diese in größerem Umfang und mit interessanten Motiven zu finden. Gezielter läßt sich schon im Internet suchen. Bei "ebay", wo täglich Millionen von Artikeln versteigert werden, gibt es in Deutschland einen speziellen Bereich "Stereoskopie". Hier sind immer interessante Dinge (nicht nur Bilder!) zu finden. Nachdem in Amerika die Betrachtung von Stereobildern vor 100 Jahren größere Mode war als in Deutschland, empfiehlt es sich auch, bei "ebay.com" zu fahnden. Das englische Wort für Stereobilder ist "Stereoviews" und das Angebot in dieser Sparte ist so riesig, daß man eigentlich nur mit Suchbegriffen zu einem Ergebnis kommt. Dann gibt es natürlich die großen Auktionshäuser, bei denen manchmal Stereo-Konvolute im Angebot sind. Die wirklich tollen Sammlungen (z.B. größere Anzahl von Kaiser-Panorama-Aufnahmen, ...) finden meist auf diesem Weg ihren neuen Besitzer. Nur klettern die Preise nicht selten in fast unvorstellbare Höhen, so daß dies für Normalverdiener eigentlich keine Alternative ist.

An erster Stelle sind aber die Museen selber zu nennen. Oft wird dort gar nicht erkannt, welche "Schätze" im Archiv schlummern und hier ist einfach die Zusammenarbeit mit dem Archivar gefragt. Als ich das erste Mal im Zeppelin Museum nach Stereobildern fragte, fanden sich nur 3 Serien. Später konnte ich bei eigenen Recherchen im Archiv feststellen, daß es sich bei einer größeren Anzahl von Aufnahmen, die "doppelt" vorhanden waren, in Wirklichkeit um Stereopaare handelte (original Negative!). Besonders hinweisen möchte ich auf das Deutsche Historische Museum in Berlin (Unter den Linden 2), welches vor einigen Jahren den Nachlaß des Schönstein-Archivs mit ca. 31 000 Stereoaufnahmen (!) ersteigert hat. Ein Glücksfall, denn somit sind diese für jedermann zugänglich und man kann dort selber im Archiv suchen. Ist man fündig geworden, kann man sich gegen eine Bearbeitungsgebühr Repros anfertigen lassen. Nachdem die Aufnahmen al-lerdings (noch) nicht in einer elektronischen Datenbank erfaßt sind, ist es leider nicht möglich, telefonisch nach bestimmten Motiven anzufragen. Vom "DHM" wurde auch eine sehr empfehlenswerte Abhandlung zu diesem Bildarchiv herausgegeben.
Auch bei Sammlern schlummern sicherlich viele interessante Aufnahmen in den Archiven. Oft kennt man die Sammler vom "eigenen Sammelgebiet" und vielleicht rentiert es sich, bei diesen einmal nachzufragen, ob sie solche Stereobilder haben. Mit noch mehr Glück will er dann mit seinen Schätzen nicht das große Geld verdienen, sondern leiht die Originale zum Anfertigen von Repros aus, bzw. fertigt Repros zum Selbstkostenpreis (vielleicht mit einem kleinen Arbeitszuschlag).

Aufnahmen aus dem Archiv des Deutschen Historischen Museums in Berlin aus der Serie: "Umsiedelung in Polen"
In Wirklichkeit war damit die Erfassung der jüdischen Bevölkerung und ihre Umsiedelung in Ghettos gemeint.

Die jüdische Bevölkerung wird in Listen erfaßt.
Sie müssen ihren Unterdrückern und späteren Mördern den Hitlergruß entrichten
Bewohner des Warschauer-Ghettos

Mögliche Motivbereiche

Zum ersten ist natürlich immer informativ, wie die eigene Stadt oder Landschaft früher ausgesehen hat und in 3D sind solche zeitlichen Rückblicke natürlich doppelt interessant. Aber auch technische Aufnahmen (Flugzeuge, Lokomotiven, Autos,...) und Stereobilder von historische Ereignisse gibt es, die sich vielleicht in eine Ausstellung integrieren lassen. Evtl. können heutige Bilder als Ergänzung hinzugefügt oder zum Veranschaulichen von speziellen Details gezeigt werden. Wie wäre es z.B. mit Bildern aus Ihrer Stadt vor dem 2. Weltkrieg, danach, wie sie in Trümmern lag und heute. Zu den ersten beiden Bereichen gibt es von einigen Städten Stereoaufnahmen im "DHM" und das 3. Bild von heute kann von einem Stereofotografen aufgenommen werden. Von den beiden Weltkriegen sind ebenfalls sehr viele Stereoaufnahmen vorhanden. Teilweise waren sie natürlich als Propaganda für die "Überlegenheit" der eigenen Armee gedacht, es gibt jedoch auch erschütternde Aufnahmen, die uns als Mahnung dienen (können). Ich möchte noch darauf hinweisen, daß es Künstler gibt, die normale Monobilder oder Gemälde am Computer in mühevoller Kleinarbeit in Stereoaufnahmen umwandeln oder auch selbst ganz neue Landschaften oder dreidimensionale Objekte am PC erschaffen. Hier schließt sich wieder der Kreis zur Ästhetik. Gerade diese Bilder wären es sicherlich wert, der Öffentlichkeit präsentiert zu werden. Machen Sie doch einmal dem Gestalter der nächsten Kunstausstellung den Vorschlag, daß sie evtl. eine 3D-Bearbeitung des schönsten Gemäldes veranlassen können, so daß die Besucher die Möglichkeit bekommen das Motiv real so zu sehen, wie es der Künstler selber gesehen hat (unter dem Stichwort "3d conversion" lassen sich im Internet solche Künstler finden).

Stuttgart - Hauptstätterstraße um 1900
Es handelt sich um eine normale Aufnahme, die von mir in ein Stereobild umgewandelt wurde.

Schlußwort - eigene Erfahrungen

Eine gute Zusammenarbeit mit einem Museum muß sich entwickeln und man braucht Geduld. Bei Museen wird längerfristig gearbeitet und nur wegen einer guten Idee nicht gleich alles umgebaut. Nach dem 3D-Kino im Zeppelin Museum war für mich einige Jahre Pause, die ich aber zu nützen versucht habe, meinen Sammlungsbestand an Stereoaufnahmen von Zeppelinen zu vergrößern. Mit den Aufnahmen aus dem Archiv des Luftschiffbau Friedrichshafen, meinen eigenen und Repros von weiteren sammlern darf ich nun die Ausstellung "Zeppelin im Raumbild" gestalten.

Ich würde mich freuen, wenn dieser Artikel für den einen oder anderen historischen Interessierten, selbst in diese Richtung aktiv zu werden. Wenn ich dann irgendwann, irgendwo bei einem Museumsbesuch gut präsentierte Stereoaufnahmen entdecke, wird das für mich (und ich hoffe auch für Sie), eine Freude sein!

In meinem Bericht konnte nicht alles dargestellt werden ( z.B. Hologramme). Sollten Sie Lücken oder sogar Fehler feststellen, wäre ich dankbar, wenn Sie mir diese mitteilen.